Richtig lüften
Richtige Wohnraumlüftung zur Vermeidung von Bauschäden und Schimmelpilzbildung
Das Problem
In den Wintermonaten häufen sich Klagen über Schimmelpilzbefall im Bereich der Fensterleibungen und Kondenswasserbildung auf den Fensterscheiben. Kondenswasser entsteht durch Luftabkühlung.
Die Ursache
Wenn Schimmelpilz im Bereich der Außenwände festzustellen ist, so liegt es nicht an starkem Regen, der von außen die Mauern durchnässt, sondern an der Luftfeuchtigkeit in den Räumen, die sich an den kalten Mauerflächen niederschlägt. Gefühlsmäßig neigen wir dazu, während der kalten Jahreszeit Fenster und Türen zu schließen, um die Räume warm zu halten. Während der Wintermonate kühlen die Außenmauern jedoch stark ab, was sich auf die Innenseite der Außenwände auswirkt. Unsere Luft zum Atmen zeigt eine unsichtbare Eigenschaft, sie kann nämlich je nach Temperatur unterschiedlich viel Feuchtigkeit aufnehmen. Zum Beispiel kann ein Kubikmeter Luft bei 20° C und 100%iger Luftfeuchtigkeit 17,5 g Wasser in Form von Wasserdampf festhalten. Wird diese Luft auf 0° C abgekühlt, fallen 12,5 g Kondenswasser an, weil 0 ° C kalte Luft nur 5 g Wasser binden kann.
In Wohnräumen werden die geschilderten Luftverhältnisse sicher niemals auftreten, weil die relative Luftfeuchtigkeit normalerweise zwischen 40 und 60% liegt und weil zum anderen auch die Innenflächen der Außenwände nicht auf 0 ° C abkühlen werden. Aber selbst wenn die 20 ° C warme Raumluft bei 60% relativer Luftfeuchte ca. 10 g Wasser binden kann und 8 ° C warme Raumluft bei gleicher Luftfeuchte nur ca. 5 g Wasser binden kann, so ist zu verstehen, dass an kalten Oberflächen der Außenmauer Feuchtigkeit niederschlägt.
Fazit:
Bei Außenwänden mit schlechter Wärmedämmung besteht bei niedriger Außentemperatur die Gefahr, dass die innere Wandoberfläche stark abkühlt. Um Kondenswasser zu vermeiden, muss die relative Luftfeuchtigkeit im Raum niedrig gehalten werden. Gefährlich ist Kondenswasserbildung über einen längeren Zeitraum auf Anstrichen, Tapeten und Putz, da hier Schimmelbildung und Ausblühungen entstehen, die zu gesundheitlichen Problemen und zur Zerstörung des Materials führen. Von Kondenswasserbildung auf der inneren Maueroberfläche sind besonders Räume mit hoher Luftfeuchtigkeit, wie zum Beispiel: Bäder, Küchen, belegte Schlafzimmer und Wohnräume mit vielen Pflanzen betroffen. Eine Feuchtigkeitsanreicherung in Wohnräumen muss durch gezieltes Lüften wieder abgebaut werden.
Empfehlungen für den Bauherrn und Bewohner
Die Lüftung der Wohnungen ist aus hygienischen und gesundheitlichen Gründen erforderlich. Durch regelmäßiges Lüften werden die nutzungsbedingten Gase, Geruchsstoffe und die hohe Luftfeuchtigkeit abgeführt. Durch richtiges Lüften werden Bauschäden vermieden, die durch Kondenswasserbildung bei zu hoher Luftfeuchte auftreten können. Die relative Luftfeuchtigkeit in Räumen wird stark durch den Luftwechsel beeinflusst. Als Anhaltspunkt ist anzuraten, das gesamte Raumvolumen alle 2 Stunden mit der Außenluft einmal auszutauschen. Besonders wirksam ist die Lüftung im Winter, da niedrige Temperaturen eine geringe Feuchtigkeit aufweisen. Bei Eintritt in die Räume wird diese Luft aufgewärmt und dabei sinkt die relative Luftfeuchtigkeit. Mit den heute weitgehend luftdichten Fenstern reicht die natürliche Lüftung in geschlossenem Zustand nicht aus, um den erforderlichen Luftwechsel zu gewährleisten.
Richtig Lüften heißt: während 5 bis höchstens 10 Minuten Fenster völlig öffnen (Stoßlüften), besonders wirksam ist kurze Querlüftung (Durchzug). Hierdurch geht wenig Energie verloren, weil viel Raumluftfeuchte abtransportiert wird und Wände, Decken und Böden kaum abkühlen. Während der Heizperiode ist in geheizten Innenräumen aus physikalischen Gründen immer erheblich mehr Feuchte in der Luft enthalten als im kalten Außenklima, selbst wenn draußen Nebel herrscht. Es stimmt also nicht, dass man bei öffnen der Fenster feuchte Luft rein lässt, im Gegenteil, Raumluftfeuchte wandert nach außen. Wichtig ist, dass bei Außentemperaturen unter 0 ° C die Fenster nicht in Dauerlüftungsstellung während längerer Zeit geöffnet bleiben (Kippstellung der Fenster). Der ständige Luftaustausch würde sonst die Wandoberflächen allmählich abkühlen, so dass die Kondenswassergefahr steigt. Außerdem geht dauernd Energie verloren.
Richtwerte: 20 ° C in Wohnräumen und 17 ° C in Schlafräumen. Diese Temperaturen sollten nicht unterschritten werden. Türen zwischen kühleren Schlafräumen und den übrigen wärmeren Räumen sollten geschlossen bleiben. Nicht beheizte Räumen soll man nicht durch öffnen der Tür temperieren, weil sonst die Feuchtigkeit der warmen Luft sich an den kalten Bauteilen niederschlägt und die Schimmelbildung verursacht. In diesem Zusammenhang ist auch zu beachten, dass Möbel - insbesondere großflächige - nicht oder nicht zu dicht an Außenwände gestellt werden.
Zusammenfassung:
- Richtiges Lüften vermeidet die Kondenswasserbildung in den Wohnräumen und insbesondere an den Fenstern.
- Die Raumluft ist um so feuchter, je geringer der Luftaustausch mit der Außenluft ist.
- Die Raumluft wird beim Luftaustausch um so trockener, je kälter die Außenluft ist.
- Die Gefahr der Kondenswasserbildung ist um so größer, je feuchter die Raumluft und je kälter die Oberfläche eines Bauteils ist.
- Richtiges Lüften (Stoßlüften) spart Energie, ist hygienischer und vermeidet Feuchtigkeitsschäden.


